Serotonerges Syndrom

Serotonin

Serotonin steuert über spezifische Transporter und Rezeptoren verschiedene Vorgänge im Körper. Serotonin findet man im Zentralnervensystem (ZNS), Magen-Darm-Trakt, kardiovaskulären System, Blut und Knochen. Im zentralen Nervensystem moduliert Serotonin die Aufmerksamkeit, das Verhalten und die Thermoregulation des Körpers. Im peripheren Nervensystem wird Serotonin vor allem durch enterochromaffine Zellen des Darms gebildet und ist beteiligt an der Regulation der Darmmotalität, der Vasokonstriktion und der Bronchokonstriktion. Zudem ist Serotonin ein wichtiger Faktor bei der Blutgerinnung der Thrombozyten.

Die Wirkung des Serotonins entfaltet sich vor allem als Botenstoff, indem es die Erregung einer Nervenzelle durch die Simulation der postsynaptischen Rezeptoren (5-HT1A, 5-HT2A, u.a.) der nächsten Nervenzelle vermittelt.

Einfluss von Medikamenten

Einzelne Medikamente können auf verschiedene Weise und mit unterschiedlicher Stärke diese Regulation des Serotonins beeinflussen. Neben zum Teil erwünschten Wirkungen kann es dadurch aber auch zu unerwünschten Wirkungen kommen. Insbesondere wenn verschiedene Medikamente über unterschiedliche Mechanismen gleichzeitig in diese Steuerung eingreifen, kann es zu einem erhöhten Angebot des Botenstoffes Serotonin (5-Hydroxytryptamin) im Körper kommen.

Zu den Arzneimitteln, die typischerweise den Botenstoff Serotonin beeinflussen, gehören bestimmte Antidepressiva wie die Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Diese blockieren die Wiederaufnahme von Serotonin in die präsynaptische Nervenzelle und erhöhen darüber die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt.

Aber auch andere Einflüsse kommen vor. So stimulieren Sumatriptan, Fentanyl, u.a. selber direkt den Serotoninrezeptor oder können wie z.B. Lithium direkt die Sensitivität des Rezeptors erhöhen. Zudem können Substanzen wie Fenfluramin, Mirtazapin u.a. die Bildung von Sertonin steigern oder den Abbau wie Moclobemid, Selegilin u.a. vermindern.

Symptome einer Überstimulation

Zu den klinischen Kennzeichen, die auf ein Überangebot an Serotonin hinweisen, gehören neuromuskuläre (z.B. Tremor, Myoklonien, gesteigerte Reflexe), autonome (z.B. Fieber, Schwitzen, Tachykardie, Hypertonie, Erbrechen, Diarrhoe) und psychiatrische Symptome (z.B. Unruhe, Akathisie oder Delir). Die serotonerge Überstimulation kann in seltenen Fällen ein potenziell lebensbedrohliches Serotoninsyndrom auslösen, dass bereits innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen nach Beginn der Arzneimittelkombination oder nach einer Dosiserhöhung auftreten kann. Für die Diagnosestellung können definierte Kriterien wie die Hunter- oder Sternbach-Kriterien herangezogen werden. Bei einem Serotoninsyndrom muss die auslösende Medikation abgesetzt werden.